Sonntag, 21. April 2013

Die Jagd


I have walked all alone 
On these streets I call home 
Streets of hope, streets of fear 
Through the sidewalk cracks time disappears...

Wir kommen nur langsam voran. Der Sturm ist dermaßen stark, dass wir alle hundert Meter eine Pause einlegen müssen. Ich konnte mir nie vorstellen, wie es ist einfach vom Wind weggepustet zu werden, wie ein Streichholz - nun weiß ich es. Taylor ist die Erste, die die Höhle entdeckt. Ein Fleckchen Erde, an dem der Hurricane noch nicht seine Spuren hinterlassen haben schien. Wir versuchen die letzten Meter zu rennen, doch wir sind erschöpft und frieren.  Zum Glück ist die Höhle tief genug, um vor dem eisigen Wind geschützt zu sein! Wir kuscheln uns aneinander, wie die Welpen, als wir sie fanden. Die anderen sind schon lange eingeschlafen als ich noch aufgewühlt da liege und in die Ferne starre. Ich will nicht einschlafen, viel zu groß ist die Angst vor dem Traum, der mich seit langem verfolgt. Doch irgendwann schließe selbst ich die wilden Wolfsaugen und schlafe ein. 


...Dunkelheit. Kälte. Wolf. 
Fleisch. Blut. Angst...
...Gefahr. Hilfe. Höhle.
Grüne Augen. Schwarzes Haar...

Am nächsten Morgen wache ich auf, als die Sonne auf mich scheint und mein schwarzes Fell angenehm wärmt. Auf einem Baum über der Höhle singt eine Lerche. Ich hebe meinen Kopf und bemerke dass die anderen noch schlafen. Langsam stehe ich auf und laufe raus. Meine Körper verlangt sich zu strecken. Als ich lange gähne, wittere ich eine Spur. Ohne es zu wollen muss ich ihr folgen. Mit langen, geschmeidigen Bewegungen laufe ich durch den Wald bis ich auf eine Gruppe Feldhasen treffe. Ich ducke mich und beobachte sie für eine Weile. Dann setze ich einen Fuß vor den anderen und mir gelingt es mich ihnen bis auf ein paar Meter zu nähern. Wie vom Blitz getroffen schnelle ich aus meinem Versteck hoch und packe mein Opfer im Genick. Mit einem lauten knacksen ist es gebrochen. Der Hase baumelt blutend in meinem Maul. Stolz aber auch gleichzeitig angewiedert kehre ich zur Höhle zurück. Die andern warten bereits und sehen mich geschockt an, als ich mit meiner Beute aufkreuze. Als ich ihre Blicke bemerke bleibe ich stehen und lege den Kopf schief. Ich lasse den Hasen fallen und starre zurück. "Was denn? Ich bin ein Wolf und Wölfe können keine Süßigkeiten und Salat fressen!" Meine Freunde schauen sich an und nicken nur stumm. Dass Sam's Magen knurrt, höre ich bis hierher. Ohne zu blinzeln packt er mein Opfer und verzieht sich in eine Ecke. Wütent knurre ich ihn an. "HEY! Der ist mir! Ich hab ihn gefangen! Such dir deinen eigenen!" Ich stürze mich auf ihn und stehle ihm den Hasen, der ohnehin mir gehört. Nun mischen sich die anderen auch ein und Cloe ist die erste die einsieht, dass ein 7 kg schwerer Hase, wohl nicht für 6 ausgewachsene Wölfe reicht. "Wir müssen jagen gehen!" stellt sieht mit wenig Begeisterung fest...

Nun liegen wir hier. 20 Meter von einigen jungen Hirschen entfernt. Natürlich gegen den Wind, immerhin wollen wir nicht riskieren entdeckt zu werden. Ich gebe den anderen ein paar Zeichen und sprinte auf ein Beutetier zu. Mit meinen langen Hinterbeinen stoße ich mich vom Boden ab und werfe es zu Boden. Ohne die Hilfe der anderen wäre es mir wohl nicht gelungen ihn zu packen. Ich beiße dem Unschuldigen die Kehle durch und mein Maul und meine Schnauze verfärben sich rot. Der Geruch des warmen, frischen Blutes macht mich fast wahnsinnig. So müssen sich Haie im Fressrausch fühlen! Ich reiße dem Tier einige Stücke Fleisch aus der Flanke und muss mich anschließend übergeben. Weniger vom Geschmack sondern von dem Gefühl nun ein Wolf zu sein. Ich hoffe dass wenigstens ein bisschen von meiner Nahrung noch in meinem Magen ist und warte auf meine Freunde, die sich immernoch genüsslich auf unsere Beute stürzen. Da ich keine Lust habe nur dumm dazustehen, laufe ich zu einem naheliegenden Bach, den ich bei meiner Hasenjagd entdeckt habe. Ich mustere meine Ohren, meine Schnauze, mein Maul und zu guter letzt meine Augen. Mittlerweile haben wir Mittag und die Sonne brennt unerträglich auf mein rabenschwarzes Fell. Ohne zu Zögern stürze ich mich ins kühle Nass. Wolf sein ist doch gar nicht mal sooo schlecht! Lachend traben Sam und die Andern zu mir. "Sieht ja aus als hättest du Spaß!..." bemerkt Alice schmunzelnd  "... Und so ein Bad würde mir jetzt auch nicht schaden!" Nun springt auch sie ins Wasser und drückt mich zu Boden. Ein Fisch schwimmt genau vor meiner Schnauze vorbei. Ich schnappe nach ihm, vermutlich wegen meines Spieltriebs. Eine halbe Stunde später laufen wir 6 weiter um nach der Lösung unseres "Problems" zu suchen...






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