...Ich sinke zu Boden und stütze meinen Kopf in die Handflächen. Eine Träne bahnt sich ihren Weg über mein junges Gesicht, doch an meinen Lippen bleibt sie hängen. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit raffe ich mich auf und nehme Ocean auf den Arm. Sie sieht mich an und leckt mir die salzige Flüssigkeit von den Wangen. Irgendwie schafft sie es immer, mich zum lachen oder mindestens zum schmunzeln zu bringen! Ich setze meinen Weg zum Haus fort und versuche unentdeckt auf mein Zimmer zu kommen. Der Dielenboden knirscht gewaltig unter meinen Füßen (oder bilde ich mir das alles nur ein?). Ich habe Angst, dass jede Sekunde mein Vater in der Tür steht und mich zusammenpfeift warum ich jetzt erst nach Hause komme. Doch ich habe wiedermal Glück und lasse mich erschöpft in mein weiches Bett fallen. Als ich die Augen schließe und fast eingeschlafen bin, fängt mein Handy an ein undefinierbares Lied zu spielen. Mürrisch bewege ich mich die SMS zu lesen. Sie ist von Alice. 'Ich hab dir was geschickt! Lies dir das mal durch! LG'. Ich stöhnte genervt auf. Muss das jetzt sein? Es ist mitten in der Nacht und ich soll meinen Laptop nochmal anschalten! Schließlich stehe ich doch auf und schaue meine Nachrichten durch. In einer Nachricht auf einem social Network wird für mich angezeigt: 1 Nachricht von Alice. Ich öffne sie und lese:
Regentropfen küssen mein Gesicht
Doch ich merke es nicht,
denn ich denke nur an Dich,
an Dich, an Dich!
Der Regen wird stärker,
das Kleid weicht durch.
Es klebt an mir.
Widerlich!
Doch ich merke es nicht,
denn ich denke nur an Dich,
an Dich, an Dich!
Der Regen schmeckt salzig -
oder sind es doch nur meine Tränen?
Es wird dunkel und kalt.
Verständlich.
Doch ich merke es nicht,
denn ich denke nur an Dich,
an Dich, an Dich!
An Dich, an Dich, an Dich denke ich.
Ob Tag, ob Nacht.
Bei Regen, Schnee und Sonnenschein.
Wird es jemals zu Ende sein?
- by Elisa Schneider
Gedankenversunken schließe ich die Nachricht wieder. Sie hat mich nachdenklich gemacht. Ich schaue zum Bett. Ocean ist eingeschlafen und atmet ruhig und tief. Langsam stehe ich auf, schalte meinen Laptop aus und gehe zu ihr. Bevor ich mich ins Bett lege, begutachte ich die Narbe an meinem Hals. Sie schmerzt nicht mehr. Hat sie das jemals getan? Ich weiß es nicht mehr. Mein Leben hat sich verändert. Obwohl ich den kleinen Wolf erst seit zwei Tagen kenne, scheint es mir ein Leben lang zu sein.
Ich weiß nicht mehr wer ich bin. Was ich hier soll. Warum ich überhaupt hier bleibe. Bei einer Familie, die mich nicht beachtet. Der ich egal bin. Was ist nur mit mir passiert? Ich nehme meine Tasche und stecke die kleine Wölfin hinein. Sie schläft wie ein Stein. Dann renne ich raus auf die Straße, in den Wald, zu Alice. Hauptsache irgendwo hin, nur nicht mehr zurück!
Glücklicherweiße liegt ihr Zimmer im Erdgeschoss und es ist nicht schwer sie zu wecken. Genervt öffnet sie ihr Fenster. "Warum stehst du mitten in der Nacht vor meinem Fenster?"
"Ich kann nicht zu Hause bleiben. Ich weiß nichtmal wo ich überhaupt zuhause bin! Bitte hilf mir!" Ich versuche mich zu beherrschen, doch in meiner Stimme hört man die Verzweiflung. Sie nickt und ich steige durch das Fenster in ihr Zimmer. Tagsüber sind ihre Wände blau... ihre Möbel weiß... Doch in der Nacht sieht alles gleich aus. Jeder Mensch ist gleich. Grau. Ohne Farbe. Gleich. Ich setzte mich auf den Boden und Lexy läuft mir mit erhobener Rute entgegen. Ich tätschle ihren kleinen Kopf. Alice setzt sich mir gegenüber und fragt besorgt: "Was ist los?" Ich erzähle ihr die ganze Geschichte. Das mit Sam und meinen Eltern. Dass ich seit Wochen nicht mehr schlafen kann weil mich ein Traum verfolgt...
...Ich stehe in einem dunklen Raum. Nirgends ist ein Ausweg. Keine Fenster. Keine Tür. Ein Mann erscheint wie aus dem Nichts und stellt sich vor mich. Seine Augen leuchten grün. Sie sind das einzige, was ich in der Dunkelheit erkennen kann. Plötzlich ist er weg und etwas fällt mich an. Ich wache auf...
Alice lauscht meinem Traum wie ein kleines Kind, dem man eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Als ich fertig bin, richtet sie sich wieder auf. "Du kannst die nächsten Tage bei mir bleiben! Um deine Eltern kümmern wir uns, wir sagen einfach dass wir schon seit einem halben Jahr ausgemacht haben, dass du in den Ferien bei mir übernachtest!" Dankbar nicke ich und ein Lächeln huscht über meine Lippen. "Mich würde nur interessieren, wer der Typ in deinem Traum ist!" merkt sie an. Mich auch...ja...mich auch...
Jesus :D
AntwortenLöschenIch hab mich bei dem letzten Kapitel so kaputt gelacht, als Jenny Sam eine drüber gezogen hat. Ich mag sie immer mehr :D
Weiter so ;)